Donnerstag, 4. Februar 2016

EXPERIMENT: Ein Roman in drei Tagen (Teil 3) - Der Plot

Huch, und auf einmal hat das Experiment eine gewaltige Ausmerksamkeit bekommen. Natürlich flattert mir viel Kritik entgegen, aber damit habe ich gerechnet. Viele Punkte kann ich vollends verstehen, allerdings darf ich nur immer wieder betonen: Es ist ein Experiment!
Ich habe das noch nie gemacht, aber ich möchte es versuchen. Niemandem soll damit geschadet werden. Wenn das Buch schlecht wird, erscheint es nicht. Ich möchte schließlich auch damit zufrieden sein.
Heute wenden wir uns dem nächsten Statusbericht meiner Vorbereitungen zu, in dem ihr einen ersten Blick auf meinen Plot werfen dürft.
Noch immer lautet unsere zentrale Frage:

Kann ein durchschnittlicher Autor einen Roman von mehr als
60.000 Worten in nur drei Tagen schreiben?

oder auch




DER STAND DER DINGE

Der Klappentext
Der Klappentext auf der Seite von Neobooks war keineswegs ausgereift. (Er wurde meinem Blog entnommen, den zum Glück niemand liest). Selbst ich fand ihn schlecht. Er wurde mittlerweile durch einen besseren ersetzt - und ich bin vorsichtiger mit dem, was ich hier an Klappentexten poste.

Der Plot
Der Plot wächst und gedeiht tüchtig vor sich hin! Eines meiner größten Probleme (bei nahezu jedem Projekt) ist, dass ich selten Ideen für ein gutes Ende habe. Eine spannende Voraussetzung? Gern! Kann ich. Chaos stiften funktioniert super. Das Aufräumen ist immer schwieriger.
Diese Hürde habe ich allerdings überwunden, das ist für mich eine enorme Erleichterung!

Wie ich plotte
Viele von euch haben mich angeschrieben und nachgehakt: Wie genau plotte ich eigentlich?

  1. Immer per Hand, meist in einem Notizbuch, seltener auf gefalteten DinA4-Zetteln.
  2. Feinplotting betreibe ich eher chaotisch auf kleinen Zetteln, die in besagten Büchern stecken. So kann ich für gewöhnlich schnell etwas ändern. Heißt, ich orientiere mich an einem groben Handlungsstrang und lasse Raum für freie Ideen.
  3. Ich benutze keine speziellen Plotmethoden, erstelle aber gerne Spannungskurven, Mindmaps und Soziogramme der Charaktere.
  4. Außerdem liebe ich Listen.
  5. Beim Plot für das Drei-Tage-Experiment habe ich ebenfalls auf kleinen Zetteln geplottet und diese dann zusammengeklebt. Später werde ich sieben Flickwerke haben und dazu einen langen, ausführlichen Plot in Form einer Liste.
An meinem allgemeinen Vorgehen habe ich also kaum etwas verändert; mit dem Unterschied, dass ich mich nicht mehr von anderen Projekten ablenken lasse, sondern mich nur auf das eine konzentriere. Außerdem tausche ich mich viel mehr mit anderen Autoren und Lesern aus und frage sie nach ihren Meinungen.
(Zum Vergleich: An Phaenom habe ich ein komplettes Jahr gearbeitet, und nur zwei Personen wussten davon). Die Diskussionen weisen mich auf Probleme hin und lassen mich Lösungen finden. Dieses Mal ist das sehr hilfreich für mich, da ich Schreibblockaden im Vorhinein verhindern möchte.

Links die Abschnittsübersicht, rechts der Plot, unten das Notizbuch.
Die Abschnittsübersichten sind zusammengeklebte Zettel, ich werde an den drei Tagen vermutlich nur mit dem normalen Plot arbeiten. Schließlich ist er dafür da, mich vor dem Chaos zu bewahren.

Es ist etwas schwierig, den aktuellen Stand zu fotografieren, ohne zu spoilern. Auf dem Bild seht ihr deshalb nur 2/7 des Plots, also den Ausgangspunkt und den ersten Plot Point. (Ein Weichzeichner macht alles unleserlich).
Ich habe damit begonnen, die wichtigsten Charaktere für einen Abschnitt herauszustellen. Ihnen habe ich klare "Aufgaben" zugeteilt, mich mit ihren Gefühlen und dem Entwicklungspotenzial beschäftigt.
Anschließend habe ich alle vorkommenden Nebencharaktere aufgelistet und mir Gedanken darüber gemacht, wie viele Charaktere überhaupt insgesamt vorkommen sollten.
Danach habe ich ein Soziogramm erstellt, für jeden Abschnitt jeweils eines.
Erst dann habe ich mich daran gemacht, die Ereignisse des Abschnitts logisch zu sortieren und anhand der Charaktere und ihrer "Aufgaben" die Geschichte aufzubauen. Dafür habe ich natürlich auch den groben Plot benutzt, den ich vorher schon erstellt habe. Der Rest ist Feinarbeit.
Wichtig dafür sind besonders die Konflikte: Was treibt die Figuren an?
Schon beim Niederschreiben haben sich unerwartete Konflikte ergeben, die ich jeweils mit dem Kommentar "Zoff" versehen habe. Zoff schreibe ich generell sehr gerne (siehe 1. Blogpost zum Experiment).
An diesem Teil der Geschichte (vllt. 15.000 Worte) saß ich einen ganzen Tag. Noch nie habe ich so bewusst wahrgenommen, wie lange man plotten kann, wenn man sich während des Schreibens keine Überraschungen erlauben will.
Irgendwie finde ich das schade, andererseits rechne ich trotz der genauen Planung mit ein paar fiesen Plot Bunnies.

Vergleich: Frühere Romane und der jetzige
Mich interessiert es brennend, wie sich »Zwei Kontinente auf Reisen« von meinen bisherigen Projekten unterscheidet. Darum habe ich eine kleine Tabelle erstellt, in der ich meine alten Romane mit dem neuen vergleiche. Nach dem Experiment sind wir schlauer, ob ich mehr oder weniger Zeit benötigen werde.

Zum Vergrößern: Anklicken


Widrigkeiten des Lebens

In meinem ersten Post zum Experiment habe ich angedeutet, dass es abgeblasen wird, sobald das Leben dazwischen grätscht. Leider ist das schon teilweise eingetreten. Ich möchte hier nicht jammern, sondern lediglich vorwarnen: Es kann sein, dass das Projekt aus familiären Gründen verschoben wird. Noch müsst ihr euch aber keine Sorgen machen.

Wie es weitergeht
Wenn nichts dazwischenkommt: Bis nächste Woche Donnerstag werde ich den Plot beenden, das Aussehen der Charaktere festlegen, die Insel möglichst genau erstellen und mich auf ihr zurechtfinden ... und weiterhin Fingerübungen machen. Wichtig ist, dass ich jetzt nicht die Ruhe verliere, auch wenn mich einige kritische Stimmen ausgebremst haben.
Darum möchte ich an dieser Stelle denjenigen danken, die das Experiment und mich unterstützen - vielen, vielen Dank! Ohne euch hätte ich sicherlich schon abgebrochen! ♥
In diesem Sinne - bis bald!
Eure Jen