Mittwoch, 20. Januar 2016

EXPERIMENT: Ein Roman in drei Tagen (Teil 1) - Das Experiment


Schreiben ist Arbeit, mühselig, großartig.
Und nicht nur für mich längst kein bloßes Hobby mehr.
Genügend Leute haben schon am ersten Tag des NaNoWriMo den Soll vom 50.000 Worten geschafft, einige haben sogar noch mehr geschrieben.
Da fragt man sich manchmal:

Ist das noch Qualität?
Wie sehr leidet eine Geschichte darunter?
Wie sieht der Alltag dieser Schnellautoren aus?
Wie lange muss man vorbereiten,
wie viel überarbeiten?

All das wollen wir jetzt herausfinden. Jeder für sich allein, aber doch gemeinsam: Saria Fuxfell, Nina Marin und ich stellen uns der Frage:

Kann ein durchschnittlicher Autor einen Roman von mehr als
60.000 Worten in nur drei Tagen schreiben?


Das ist das mit Abstand schönste Banner aller Zeiten.


DIE VORBEREITUNGEN


Das Datum
Wir peilen den Februar an. In einer Woche (am 27. Januar) wollen wir uns überlegt haben, welche drei Tage für uns infrage kommen - dann erst legen wir uns fest und arbeiten darauf hin.

Plotten und Planen
Für mich persönlich ist das Schönste am Schreiben, Zeit mit der Idee und den Charakteren zu verbringen. Das Schreiben selbst ist eigentlich nur ein Mittel, um alles dauerhaft festzuhalten und anderen Leuten zeigen zu können. (Einmal abgesehen von der manchmal sehr beruhigenden Wirkung, Literatur zu schaffen).

Da wir drei Tage lang sehr viel schreiben müssen und keine Zeit für viel Nachdenkerei, plötzliche Twists und Schreibblockaden haben, muss diese schöne Zeit davor liegen. Heißt, dass wir vorher alles perfekt geplant haben müssen und dann nur noch den Plot "herunterschreiben".
Ich frage mich, ob das wirklich funktioniert - und wie ich mich dabei fühlen werde.

Wir halten euch über den Stand unserer Plots auf dem Laufenden!


MÖGLICHE PROBLEME


Mangelnde Tippgeschwindigkeit
Was, wenn man drei Tage durchschreibt - und dann sind es "nur" 20.000 Worte?
Momentan veranstalte ich im Schreibnacht-Forum viele sogenannte Hardcore-WordWars, bei denen man nicht 5 Minuten schreibt und danach die Zahlen vergleicht, sondern z.B. 100 Worte schreibt  und wer als erstes "Hier" ruft, hat gewonnen. Das spornt viel mehr an und hat meine Tippgeschwindigkeit  in den letzten Wochen drastisch erhöht.



Wir drei kommen auf eine Zahl zwischen 85 und 115 Worten pro Minute, bei denen man jedoch sein Gehirn größtenteils ausschaltet und einfach runterschreibt. Das könnte an den drei Schreibtagen nur passieren, wenn wir in den Flow gelangen. (Mehr dazu hier).
Heißt: Wir sind definitiv langsamer als unser Testergebnis.

Körperliche Beschwerden
Die Hände, der Rücken, der Nacken – allesamt typische Problemzonen. Als größtenteils ungeübte Autoren (wir sind sozusagen keine Ausdauer- sondern eher Tempoautoren, die jetzt beides sein müssen) müssen wir auch darauf achten, dass wir am zweiten und dritten Tag unsere Finger noch bewegen können. Näheres dazu in den nächsten Artikeln.

Psychische Beschwerden
Die gesamte Aktion wird mit Stress zu tun haben. Sie wird Stress sein. Druck für den Druck.
Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was alles passieren kann. Beobachten wir lieber, was da in den kommenden Wochen kommt.

Das Internet
Nun. Ich für meinen Teil werde auf alles verzichten müssen, um mich nicht abzulenken. Höchstens Spotify bleibt an. Eventuell werde ich den ganzen Tag hindurch mein Telefon samt Streaming-Dienst Periscope mitlaufen lassen. Ich müsste mal ausprobieren, ob ich das wirklich schaffe, ohne abgelenkt oder eingeschränkt (siehe "Psychische Beschwerden") zu werden. Ansonsten dürft ihr bei mir dabei sein!

Unvorhersehbares
Das Privatleben kann gemein sein. Das Experiment wird abgeblasen, wenn es uns in die Quere kommt. Gesundheit, Psyche, Kampfeswille, Familie. Aber wir bleiben natürlich optimistisch!

Anmerkungen zu meiner gewöhnlichen Arbeitsweise //

Persönliche Einschätzung des Experiments


Am Schnellsten schreibe ich:
Dialoge, Atmosphäre, Erklärungen, innere Monologe/Einblicke in den Kopf der Figur (auch 3. Person), in der Geschichte vorkommende Dokumente wie Briefe etc.

Am Langsamsten schreibe ich:
Romantik, Settingbeschreibungen, Sterbeszenen

Sehr unterschiedlich:
Action-/Kampfszenen

Am Liebsten schreibe ich:
Streits, Dialoge, Twists, Foreshadowingszenen, Romananfänge

Ungern schreibe ich:
Romanenden, Ortswechsel-Szenen

Seit Januar schreibe ich täglich, was ich mindestens ein Jahr lang durchhalten möchte. Das Tagesziel liegt dabei bei mindestens 627 Worten, die ich für gewöhnlich in 30-45 Minuten schaffe. (Ein wenig Ablenkung inklusive).
Ich schreibe mit Word und nutze ansonsten lediglich ein paar Notizbücher fürs Plotten und ein Pinterest-Board für Inspiration.
2012 und 2013 habe ich den NaNoWriMo nicht geschafft, 2014 mit fast genau 50k und 2015 mit 80k. Meine Lebenswortzahl liegt derzeit bei etwa einer halben Million Worte (dokumentiert seit 2009).
Meine Tippgeschwindigkeit liegt so, dass ich in einer Stunde um die 1600 Worte schaffe, das werde ich in den kommenden Wochen hoffentlich etwas verbessern.
Was ich letztendlich schreibe, weiß ich noch nicht - ich weiß nicht, ob ich dafür ein Herzprojekt wählen sollte oder nicht.
Ein Krimi ist allerdings in der engeren Wahl. Die folgen gewissen Strukturen, die man zwar leicht plotten, aber auch leicht mit Twists durchbrechen kann (ganz nach meinem Geschmack); es gibt viel Dynamik und ich muss mir wegen des Endes weniger Gedanken machen.
Aber dazu nächste Woche mehr.

Am Freitag nehme ich an einem Autorenseminar im Verlagshaus Droemer Knaur teil. Hoffentlich kann ich dort noch ein paar hilfreiche Tipps in Sachen Planung mitnehmen. Vielleicht kann ich auch mein kleines Ich-mag-das-Ende-nicht-schreiben-weil-es-langweilig-wirkt-Problem lösen.

Bis dahin!
Eure Jenny

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