Sonntag, 25. Januar 2015

Elf Fragen und mehr Antworten als nötig! (Oder: Was passiert, wenn man mich taggt)


Iiiiiiiich wurde getaggt. Ja. Schon wieder. Tinka war's. Beantwortet habe ich hingegen Bens Fragen, tötet mich einfach. Es folgt ein zweiter Post mit Tinkas Fragen. :D
Und das hier hat sie davon.



1. Was ist deine selbstgeschriebene Lieblingsszene?

Insgeheim hat bestimmt jeder mehrere solche Szenen, bei denen er ganz besonders beleidigt ist, wenn er einem Leser nicht gefällt ... bei mir ist es die Stelle in Ionesco, in der der stärkste Charakter (sowohl körperlich als auch psychisch) zusammenbricht. Marten ist eigentlich Bestatter, ist im Roman aber vor allem der Psychologe und beste Freund des Protagonisten.

Phaenoms Inneres, sein sanftes, emphatisches Herz, zitterte. Er drehte sich auf dem Stuhl herum und wartete, ob Marten sich regte, doch er verharrte weiterhin in einem starren, stummen Weinkrampf, der vor allem an seinem verzerrten Kinn abzulesen war, das unter einer bebenden Hand hervorlugte. [...]
»Scheiße, Phan«, murmelte Marten, und Phaenom behagte dieser Spitzname nicht. »Noch nie, wirklich, noch nie zuvor … haben mich Worte so traurig gemacht.«
Sein Patient wusste nicht, ob das ein Lob war, oder Kritik, oder der Versuch einer Erklärung.
»Das wollte ich nicht«, sagte er stattdessen, so leise, als hätte er es gar nicht gesagt. Beinahe lachte Marten, es ging wie ein Zittern seinen Rücken hinauf. Wie bei einer Katze, die gegen den Strich gestreichelt wurde. Dann blieb das Lachen im Halse stecken. »Kannst du … kannst du dich weder umdrehen?«, bat er, damit er sich sammeln konnte. [...] Marten setzte sich auf, hielt sich immer noch eine Hand über das Gesicht. Er schluchzte nicht mehr, atmete ruhiger. »Brauchst du eine Pause?«, fragte Phaenom besorgt, sah aber nicht ihn, sondern den Boden an. Er wollte Marten fürs erste nicht mit Blicken stören.
»Schämst du dich gerade etwa?«, fragte Marten bitter lachend, und als Phaenom den Kopf schüttelte, lachte er noch einmal. Natürlich schämte Phaenom sich. Dass seine Texte Marten so traurig gestimmt hatten. Dass er so weiches, sentimentales Zeug schrieb. Andere Männer schrieben Abenteuerromane, und er saß hier in einer Nervenheilanstalt, schrieb sein eigenes Leben auf – und der stärkste Mann, den er kannte, brach über seinen Texten in Tränen aus. Dabei ging es Phaenom nicht um Martens körperliche Stärke, die hatte beinahe jeder gute Handwerker und Arbeiter, es ging ihm um die geistige Festigkeit. Marten war für ihn bislang jemand gewesen, der viel besser als Held seines Buches geeignet wäre.