Montag, 24. August 2015

Autorenmotivation: Das Rollenspiel fürs Notizbuch

Habt ihr eigentlich auch manchmal Ideen, die vollkommen ausarten, im Grunde aber gut sind?
Super. Ich auch. Hier ist eine davon.

Das Notizbuch-Rollenspiel für Autoren

Sich mithilfe von Rollenspielen zu motivieren ist für viele nichts Neues. Ich persönlich nutze besonders gerne die Internetseite HabitRPG (gibt's auch als App). Schlechte und gute Gewohnheiten, tägliche Aufgaben und ganz normale To-Dos lassen sich darüber super organisieren - außerdem gibt es ein Belohnungssystem und Gruppen, in denen Freunde anstrengende Quests angehen können. Alles, was es dazu braucht, ist etwas Disziplin.

Die Aufgaben bei HabitRPG

Meine totaaal grandiose Idee ist es nun, das Ganze auch offline umzusetzen.
Alles was ich dafür brauche ist ein Notizbuch, am Besten mit Plastiktrenndingern.
Bei der Beschriftung letzterer habe ich mich an den vier wichtigsten Attributen von HabitRPG orientiert: Kraft, Ausdauer, Intelligenz und Wahrnehmung. Der letzte Teil des Blocks gehört den Achievements.

Mittwoch, 13. Mai 2015

So bereitet man sich ideal auf eine Schreibnacht vor!


Eine Nacht voller Worte steht kurz bevor. Am Freitag, 15. Mai ab 20/21 Uhr, wird überall im Land (und sogar in den angrenzenden Ländern) getippt, was die Tasten hergeben.
Doch längst nicht jeder setzt sich einfach nur hin und schreibt von 21 bis 3 Uhr durch, nein. Es bedarf einiges an Vorbereitung - besonders, wenn man zum ersten Mal nicht allein schreibt.

Die kleine Grundausrüstung:

- Laptop oder Block mit Stift
- ein Getränk
- Motivation und eine Idee
- das Wissen, dass es von 20-21 Uhr einen Special Guest gibt
- eine Prise Kardamom

Dies sollte in der kleinen Grundausrüstung fehlen:
- eine Schreibblockade
- Lärm

Ja, die Glühbirne versinnbildlicht die Idee.

Die mittlere Grundausrüstung:

- Laptop oder Block und verschiedene Stifte
- zwei Getränke, mind. eines davon mit Koffein
- Motivation und mehrere Ideen
- eine ungefähre Ahnung, was man den Special Guest fragen möchte
- Knabber-/Süßkrams
- wahlweise die favoritisierte Schreibmusik
- eine Kuscheldecke

Das sollte in der mittleren Grundausrüstung fehlen:
- Lärm
- eine Schreibblockade
- Müdigkeit
- Fehler jeglicher Art

Der Waschbär ist übrigens obligatorisch.

Die große Grundausrüstung:

- Ein High-End-Laptop mit 22 Stunden Akkulaufzeit sowie ein Block aus handgeschöpftem Papier und 200 unterschiedlich starken Bleistiften (jeweils mit, ganz wichtig, MIT blassrosa Radiergummi hintendrauf!)
- mindestens zwanzig verschiedene Getränke, davon fünf mit Koffein und sieben mit Alkohol
- der abgefahrenste Flow, den je ein Lebewesen hatte, sowie dreißig geniale Ideen samt Vorschlägen für ein späteres Drehbuch und eine Hörspieladaption
- vorbereitete Fragen für den Special Guest (Minimum 60)
- ein Vier-Gänge-Menü. Und Smarties.
- ein leerer 4000l-Pool für die Smarties
- ein Orchester, das per Bluetooth Einblick in das Gehirn des Autoren erhält, um passend zum Geschrieben Musik umzusetzen
- eine mit Watte gefüllte Hüpfburg samt integrierter Wasserrutsche, die sogar mit Schuhen betreten werden darf. Hier schreibt der Autor mindestens eine Stunde, danach kann er sich zwischen einem gigantischen Wasserbett, einer Hängematte (unterhalb eines Helikopters hängend) und einem einsamen, aber gut ausgepolsterten und beheizten Hochsitz im dicht bewaldeten Nationalpark entscheiden
- ein pompöses und gleichermaßen portables Kaminfeuer
- eine TARDIS
- nochmals 200 Bleistifte
- haben wir Tannenzapfen schon erwähnt?
- ein Fernsehteam, das derweil über den Schreibenden berichtet
- diverse Verhütungsmittel, um auf den bevorstehenden Mindfuck seines Plots vorbereitet zu sein
- einen dicken Autorenvertrag in der Tasche (welche übrigens aus echtem tibetanischen Ziegenleder besteht)
- ein gesundes Ego

Mittwoch, 15. April 2015

Wie erreicht man eigentlich den "Flow"?

Der Flow (engl. für "fließen", "strömen") ist etwas, das die meisten Autoren erreichen wollen - einfach für mehrere Stunden in ihren Texten versinken, ohne Pause das schreiben, was man schon lange schreiben will. Und dann endet der Flow und man hat wie aus dem Nichts 4000 Worte geschrieben. Aber geht das wirklich?


Was ist der Flow?

Der Flow ist ein Begriff der Psychologie und bezeichnet den Zustand völliger Vertiefung. Der geht wiederum einher mit einem Glücksgefühl. Man spricht gerne von einem Schaffensrausch.
Dabei gehört der Flow längst nicht nur zur Arbeit der Schreiberlinge - auch andere Künstler, Sportler oder Menschen mit Berufen, die Konzentration dringend benötigen (z.B. Chirurgen) können den Flow haben. Und auch in einer Prüfung kann es vorkommen, dass man entweder vor lauter Angst oder vor Langeweile in diesen Zustand übergeht.

Wikipedia sagt:
Um sich bei einer Aufgabe in den Zustand des Flows zu versetzen, braucht einem die Tätigkeit nur zu gefallen, und die Anforderung so hoch sein, dass sie die volle Konzentration erfordert. Sie darf jedoch nicht so hoch sein, dass man überfordert ist, denn dann ist die „Mühelosigkeit“ nicht mehr gegeben. Das Flow-Erlebnis wird durch diese beiden Faktoren Mindestanforderung und Anforderungsgrenze beschränkt.

Donnerstag, 9. April 2015

Die bittersüßen Nachteile, Fantasie zu haben


»Wer sich zwischen den Sternen bewegt, kann nur noch lächeln über die kostbaren Fußböden der Reichen.« 
- Lucius Annaeus Seneca



Die meisten Menschen haben Fantasie, manche mehr, manche weniger. Anfang Februar habe ich auf Facebook gefragt, was schlecht daran sein könnte, welche zu haben.
Zunächst wurden die schönen Seiten der Fantasie aufgezählt, und das sind viele. :D
Die liebe Juliana Fabula antwortete zum Beispiel:
Man begreift Dinge mit mehr Leichtigkeit, man kann sich das Leben selbst bunter gestalten. Wenn ich durch die Gegend laufe und mir vorstelle, das zwischen den Blumen Feen herumschwirren, das es in den Wolken Wesen gibt, die sie zu Formen machen. Wenn ich mein Leben einfach mal anders betrachte, dann finde ich das viel angenehmer. 

Da kann ich nur zustimmen - die kleinen Dinge werden gleich viel schöner, wenn man etwas sieht, was andere nicht sehen können. Etwas besonders fühlt man sich dadurch schon. ;)
Aber in diesem Post soll es nicht um die Vorteile gehen, die kennen wir schließlich zur Genüge!
Der Regenbogen der Fantasie hat auch seine Schattenseiten - oh Gott, dieser Satz ist furchtbar kitschig. Bah. (Über die Nachteile des Schreibens an sich könnte man auch einen Blogpost verfassen). Back to topic!


 Gibt es Menschen ohne Fantasie?

Wie denken eigentlich Menschen, die keine Fantasie haben? Wäre es tatsächlich schlimm, gedanklich fokussierter zu sein, das bunte Gedankenkarussel nie zum Anhalten zwingen zu müssen, weil es ohnehin schon die ganze Zeit steht?
Gibt es überhaupt Menschen ohne Fantasie?
Tinka Beere schrieb dazu:
Woher will man wissen, was keine [Fantasie] ist? Wir wissen ja noch nicht mal, ob jeder Mensch das gleiche sieht! Wahrnehmung, ein furchtbar spannendes Thema!
Ich wage zu behaupten, dass die meisten, die sich gerade keinen Menschen ohne Fantasie vorstellen können, selbst keine Fantasie haben.
Selbst, wenn jeder Mensch irgendwo Fantasie besitzen sollte, kann man sich dennoch Gedanken darüber machen, wie so ein Mensch denken würde - und manche können das eben besonders gut, manche eben kaum.
Vermutlich wird es so sein: Jeder Mensch hat grundsätzlich eine gewisse Vorstellungskraft, kann sich die Zukunft ausmalen oder im Vorhinein darüber nachdenken, was z.B. seine Worte bei einem Gesprächspartner auslösen können.
Fantasie geht einen Schritt weiter. Sie braucht oft auch keinen Anhaltspunkt, um sich Dinge auszudenken. Aus dem Nichts heraus denken Fantasievolle an andere Welten, Wesen, komische Ereignisse. Und dabei müssen es nicht einmal feuerspuckende Einhörner sein.

Sonntag, 25. Januar 2015

Elf Fragen und mehr Antworten als nötig! (Oder: Was passiert, wenn man mich taggt)


Iiiiiiiich wurde getaggt. Ja. Schon wieder. Tinka war's. Beantwortet habe ich hingegen Bens Fragen, tötet mich einfach. Es folgt ein zweiter Post mit Tinkas Fragen. :D
Und das hier hat sie davon.



1. Was ist deine selbstgeschriebene Lieblingsszene?

Insgeheim hat bestimmt jeder mehrere solche Szenen, bei denen er ganz besonders beleidigt ist, wenn er einem Leser nicht gefällt ... bei mir ist es die Stelle in Ionesco, in der der stärkste Charakter (sowohl körperlich als auch psychisch) zusammenbricht. Marten ist eigentlich Bestatter, ist im Roman aber vor allem der Psychologe und beste Freund des Protagonisten.

Phaenoms Inneres, sein sanftes, emphatisches Herz, zitterte. Er drehte sich auf dem Stuhl herum und wartete, ob Marten sich regte, doch er verharrte weiterhin in einem starren, stummen Weinkrampf, der vor allem an seinem verzerrten Kinn abzulesen war, das unter einer bebenden Hand hervorlugte. [...]
»Scheiße, Phan«, murmelte Marten, und Phaenom behagte dieser Spitzname nicht. »Noch nie, wirklich, noch nie zuvor … haben mich Worte so traurig gemacht.«
Sein Patient wusste nicht, ob das ein Lob war, oder Kritik, oder der Versuch einer Erklärung.
»Das wollte ich nicht«, sagte er stattdessen, so leise, als hätte er es gar nicht gesagt. Beinahe lachte Marten, es ging wie ein Zittern seinen Rücken hinauf. Wie bei einer Katze, die gegen den Strich gestreichelt wurde. Dann blieb das Lachen im Halse stecken. »Kannst du … kannst du dich weder umdrehen?«, bat er, damit er sich sammeln konnte. [...] Marten setzte sich auf, hielt sich immer noch eine Hand über das Gesicht. Er schluchzte nicht mehr, atmete ruhiger. »Brauchst du eine Pause?«, fragte Phaenom besorgt, sah aber nicht ihn, sondern den Boden an. Er wollte Marten fürs erste nicht mit Blicken stören.
»Schämst du dich gerade etwa?«, fragte Marten bitter lachend, und als Phaenom den Kopf schüttelte, lachte er noch einmal. Natürlich schämte Phaenom sich. Dass seine Texte Marten so traurig gestimmt hatten. Dass er so weiches, sentimentales Zeug schrieb. Andere Männer schrieben Abenteuerromane, und er saß hier in einer Nervenheilanstalt, schrieb sein eigenes Leben auf – und der stärkste Mann, den er kannte, brach über seinen Texten in Tränen aus. Dabei ging es Phaenom nicht um Martens körperliche Stärke, die hatte beinahe jeder gute Handwerker und Arbeiter, es ging ihm um die geistige Festigkeit. Marten war für ihn bislang jemand gewesen, der viel besser als Held seines Buches geeignet wäre.